Berlin steht vor einem strukturellen Lehrkräftemangel, der den Schulalltag vieler Familien spürbar beeinflusst. Unbesetzte Stellen, größere Klassen und ausfallender Förderunterricht sind für viele Eltern zur traurigen Realität geworden. Dieser Artikel zeigt, wie sich der Personalmangel konkret auf Ihre Schule auswirken kann und was Sie als Eltern wissen sollten.
Die Zahlen sind alarmierend: Zum Schuljahresbeginn 2025/26 war nur etwa ein Viertel der neu eingestellten Personen voll ausgebildete Lehrkraft. Der Bedarf an Lehrkräften in Berlin liegt bei rund 4.100 Vollzeitstellen – doch dieser Bedarf wird bei Weitem nicht gedeckt. Besonders brisant: Laut VBE gibt es Schulen, an denen von rund 40 Lehrkräften nur fünf eine vollständige Ausbildung haben. Diese wenigen ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen müssen nicht nur selbst unterrichten, sondern gleichzeitig ihre weniger erfahrenen Quereinsteiger anleiten und betreuen.
Der Mangel an Lehrpersonal führt zu spürbaren Einschnitten im Schulalltag. Klassen werden vergrößert, Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften entfallen. Besonders gravierend: Förderkinder erhalten nicht die Unterstützung, die ihnen zusteht. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass 64 Prozent der Lehrkräfte in Berlin Mehrarbeit leisten und 30 Prozent der Vollzeitkräfte sogar die im Arbeitszeitgesetz festgelegte Obergrenze von 48 Stunden pro Woche überschreiten. Die Folge: Stundenpläne lassen sich an vielen Schulen kaum noch einhalten.
Die GEW Berlin übt scharfe Kritik an den Zumessungsrichtlinien für die Lehrkräfteausstattung. Demnach ist bei den Grundschulen die befürchtete Besserstellung von Schulen in gut situierten Stadtteilen eingetreten. Kinder aus ärmeren Familien erhalten nur zu 32 Prozent eine Gymnasialempfehlung, während es bei privilegierten Familien 78 Prozent sind. Der Personalmangel verstärkt also bestehende soziale Ungleichheiten.
Um den Mangel zu kompensieren, setzt Berlin vermehrt auf Quereinsteiger. Der Landeselternausschuss fordert jedoch eine gerechtere und solidarischere Verteilung dieser Kräfte. Schulen mit besonders hohem Lehrkräftebedarf sollen gezielt unterstützt werden, viele Referendare und Quereinsteigende auszubilden, um sie langfristig als ausgebildete Lehrkräfte zu halten. Kritisiert wird, dass der Quereinstieg häufig ungeregelt und uneinheitlich abläuft und zu einer hohen individuellen Überlastung führt.
Als Eltern haben Sie das Recht, über die personelle Situation an Ihrer Schule informiert zu werden. Der Landeselternausschuss hat einen „Entlastungsplan für Schulen" gefordert, der Verwaltungsaufgaben aus dem pädagogischen Personal herauslöst und die Digitalisierung vorantreibt. Engagieren Sie sich in der Schulkonferenz oder im Elternbeirat, um auf eine verbesserte Ausstattung Ihrer Schule hinzuwirken.
Fazit: Der Lehrermangel in Berlin ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein strukturelles Problem mit weitreichenden Folgen für die Bildungschancen unserer Kinder. Informieren Sie sich über die Situation an Ihrer Schule und nutzen Sie Ihre Elternrechte, um auf Verbesserungen hinzuwirken. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bietet auf ihrer Website aktuelle Informationen und Ansprechpartner.